Photo © Herbert Jennerich | BAFzA

Prof.in Dr.in Cornelia Helfferich

* 18. Juli 1951 in Hamburg – † 23. November 2021 in Freiburg

Professorin für Soziologie an der Evangelischen Hochschule Freiburg

Gründerin und lanjährige Leiterin des Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts zu Geschlechterfragen (SoFFI F.) im Forschungs- und Innovationsverbund an der Ev. Hochschule Freiburg FIVE e.V.

Ein Verzeichnis der umfangreichen wissenschaftlichen Publikationen von Cornelia Helfferich findet sich unter https://cornelia-helfferich.de/.

Cornelia Helfferich studierte Soziologie, Philosophie und Psychologie in Göttingen und anschließend Soziologie und Mathematik in Freiburg. 1979 schloss sie ihr Studium mit Magister in beiden Hauptfächern ab. Ab 1983 erfolgten erste Forschungsprojekte bei GESOMED und am Institut für medizinische Soziologie der Universität Freiburg zu Mädchen- und Frauengesundheit, zu Suchtverhalten Jugendlicher unter Geschlechterperspektive und zu ungewollten Schwangerschaften. Erste Forschungsfragen wurden um qualitative Forschungsmethoden erweitert.

1990 promovierte Cornelia Helfferich am Soziologischen Institut zum Thema der Entwicklung von Geschlechtsidentitäten bei Jugendlichen. Die Dissertation erschien 1994 in überarbeiteter Fassung mit dem Titel „Jugend, Körper und Geschlecht. Die Suche nach sexueller Identität“. Zum Inhalt: Jugendliches Risikoverhalten wurde bis in die 80er Jahre weitgehend mit männlichem Jugendverhalten gleichgesetzt. Doch Rauchen, Trinken oder illegaler Drogenkonsum werden als naheliegende Verhaltensmöglichkeiten von Mädchen und Jungen genutzt. „Sie machen Sinn als Aspekte eines Prozesses, in dem Mädchen und Jungen unter- und aneinander Geschlechtsidentität symbolisieren und inszenieren, Räume für Erfahrung und deren Bewältigung erobern, sich in eigenen Initiationsriten Entlastung verschaffen – und mit dem heißen Eisen Sexualität umgehen. In diesen imaginären Lösungsversuchen sind Rebellion und Anpassung, Zwänge und Wünsche eng miteinander verzahnt.“ (aus: Jugend, Körper und Geschlecht. Klappentext)

Auch beim Thema Public Health dominierte bis in die 90er Jahren vor allem der Blick auf das Gesundheitsverhalten von Männern. Wissenschaftlerinnen forderten, dass auch das Gesundheitsverhalten von Frauen einer Analyse unterzogen wird. Zwischen 1996 und 2001 entstand der erste Frauengesundheitsbericht für Deutschland. Die Besonderheit dieses Berichtes war, dass die Lage der Frauen in Ost- und in Westdeutschland gesondert untersucht wurden und so Differenzen im Alltäglichen der Frauen in Ost und West deutlich wurden. Cornelia Helfferich bearbeitete im ersten Frauengesundheitsbericht den Abschnitt zu reproduktiver Gesundheit.

Seit 1995 lehrte Cornelia Helfferich als Professorin für Soziologie an der Evangelischen Hochschule Freiburg. 2007 wurde Cornelia Helfferich für ihr wissenschaftliches Werk mit dem Helge-Pross-Preis der Universität Siegen ausgezeichnet. Der Preis ehrt Wissenschaftler*innen für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Familien- und Geschlechterforschung.

Cornelia Helfferich habilitierte im Sommer 2013 im Fach Soziologie an der Universität Freiburg. Ihre Habilitationsschrift „Geschlechterbeziehungen im Lebenslauf: Von der ersten Liebe bis zum letzten Kind. Grundlegung einer Soziologie der Familienplanung als biographisches Handeln“ publizierte sie in überarbeiteter und erweiterten Fassung 2017 unter dem Titel „Familie und Geschlecht.“ Diese Publikation war gleichzeitig die theoretische Einbettung der Ergebnisse ihrer über zwei Jahrzehnte verfolgten Forschungen im Auftrag der BZgA zu Familienplanung unter Geschlechterperspektive.

„Die Konstitution von Familie konstituiert Geschlecht und umgekehrt. Wenn man das nicht sieht, versteht man das soziale Phänomen Familie nur unzureichend und übersieht wesentliche Bedingungen für die Reproduktion von Geschlechterungleichheit. Die Geschlechterperspektive hat das Potential, die Familiensoziologie in einen neuen Rahmen zu stellen und sie auf der Basis neuer Grundlagen weiterzuentwickeln.“

Cornelia Helfferich: Familie und Geschlecht. S.9